Die Scheinheiligen

Veröffentlicht: April 8, 2026

Die Goodforces machen kein Hehl aus ihrem Ziel: Um „Diskursmacht zurückzugewinnen“ und „die Grenzen des Sag-, Denk- und Machbaren zu verschieben“ schleudern sie unablässig virtuellen Dreck in Richtung ihrer Gegner.

Geht es um Hass und Hetze im Netz, geben sich Grüne und Linke stets als oberste Hüter der Moral. Kaum jemand appelliert so viel an Anstand und Benehmen wie Dröge, Künast, Reichinnek und andere linke Politiker. Gleichzeitig organisiert eine Berliner Agentur in ihrem Sinne hinter den Kulissen Kampagnen, bei denen sie alles massenweise mit Polemik und Populismus bewirft, was rechts der Mitte ist. Sie nennt sich ausgerechnet: The Goodforces.

Pöbeleien und Hetze im Internet? Nicht mit den Grünen. Kaum jemand positioniert sich bei diesem vieldiskutierten Thema so klar wie diese Partei. „Hass im Netz ist eine Bedrohung für die Demokratie“, erklärte die grüne Familienministerin Lisa Paus 2024. „Menschen mit Würde, mit Anstand, mit Respekt zu begegnen – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, egal ob im Netz oder im Dialog auf der Straße“, so Katarina Dröge. Renate Künast, Beiratsmitglied von HateAid und selbst häufig Opfer virtueller Beleidigungen, beschrieb den digitalen Mechanismus in der ZEIT: Man versuche mit diesen Pöbeleien, „eine bestimmte Klientel anzusprechen und immer weiter zu emotionalisieren. (…) Indem man so etwas immer wieder wiederholt und zuspitzt, soll das Interesse und das Engagement von Bürgerinnen und Bürgern für diese Demokratie zerstört werden.“

„Menschen mit Würde, mit Anstand, mit Respekt zu begegnen – eigentlich eine Selbstverständlichkeit, egal ob im Netz oder im Dialog auf der Straße.“

Anfang März wurde es in Sachen Anstand jedoch plötzlich verdächtig still auf vielen Kanälen der selbsternannten Moralapostel. Im Endspurt der baden-württembergischen Landtagswahl hatte Zoe Mayer, Karlsruher Bundestagsabgeordnete der Grünen, ein kurzes Video auf Instagram hochgeladen, in dem der CDU-Spitzenkandidat Manuel Hagel nach einem Schulbesuch von den „rehbraunen Augen“ einer Schülerin schwärmte. Obwohl sich Hagel umgehend von seiner Aussage aus dem Jahr 2018 distanzierte, wurde ab diesem Zeitpunkt im Wahlkampf kaum noch über etwas anderes gesprochen. Doch wie wird ein acht Jahre alter Interviewausschnitt auf dem Instagram-Account einer einigermaßen unbekannten Politikerin innerhalb kürzester Zeit zu einem Thema, über das die halbe Republik diskutiert?

Die erste Adresse für laut und schmutzig

Verantwortlich dafür sind Peter Jelinek und Patrick Haermeyer. So unbekannt die beiden Kampagnenspezialisten in der deutschen Politikszene sind, so gut vernetzt sind sie in Grünen-Kreisen. Ihre Agentur haben sie The Goodforces getauft. Das könnte man so deuten, dass Jelinek und Haermeyer ihre Mission darin sehen, ähnlich wie ihre Parteifreunde für Anstand und Respekt im Internet zu kämpfen.

Kollwitzstraße, Berlin-Prenzlauer Berg: Adresse, Briefkasten und Räumlichkeiten teilt sich die Kampagnen-Agentur von Peter Jelinek und Patrick Haermeyer mit rund 200 anderen Firmen.

Doch das Gegenteil ist der Fall. Im Sinne von Grünen, Linken und Sozialdemokraten gehen Jelinek und Haermeyer überall dort an den Start, wo es laut und schmutzig werden soll. Kaum eine andere PR-Agentur polarisiert so mit Polemik und Populismus wie die Guten Kräfte aus dem Berliner Kollwitzkiez. Hatte sich die Bundestagsabgeordnete Zoe Mayer bei Insta noch ganz simpel gefragt, warum Manuel Hagel „so über Mädchen redet“, machten die Netzaktivisten auf ihrem Account neunund20.de daraus mal eben: „Wer so über Mädchen redet, darf nicht Ministerpräsident werden!“ Das Filmchen explodierte im Netz – und veranlasste die Agentur, mit einem manipulativ zusammengeschnittenen Video eines weiteren Schulbesuchs von Hagel gleich nochmal nachzulegen. Allein dieser Beitrag („Hagel verliert die Fassung“) wurde mehr als zweieinhalb Millionen Mal geklickt.

Man kann mit Fug und Recht sagen, dass Jelinek und Haermeyer mit dieser Aktion ihr Meisterstück abgeliefert haben, denn am Ende trug ihre Agentur wohl maßgeblich dazu bei, dass der grüne Cem Özdemir den schwarzen Manuel Hagel beim Rennen um den Posten des schwäbischen Ministerpräsidenten auf den letzten Metern um wenige Zentimeter geschlagen hat.

Wahlsieger Cem Özdemir: Dank der Unterstützung der Goodforces kann er CDU-Mann Manuel Hagel nun sagen, wo es lang geht in den nächsten vier Jahren im Ländle. Bild: IMAGO / Frank Ossenbrink

Astroturfing gegen Neuregulierung von Gentechnik

Eine Erklärung für den Erfolg der Goodforces liegt in der Vergangenheit der beiden Kumpels Haermeyer und Jelinek. Politische Kampagnen sind für beide schon seit vielen Jahren zentraler Bestandteil ihres Lebens. Haermeyer begann seine Parteikarriere 2014 als Vorstand der Grünen Jugend in Mannheim. In den Jahren danach sammelte er Erfahrungen in grünen Wahlkampfteams auf kommunaler, Landes-, Bundes- und Europaebene, arbeitete gut vier Jahre als politischer Berater der Grünen im Europaparlament und wurde 2023 Leiter des Berliner Büros des grünen Europaparlamentariers Michael Bloss. Jelinek begann parallel zu seinem Studium der Internationalen Forst- und Ökosystemwissenschaften seine Karriere als Campaigner beim WWF. Danach war er von August 2019 bis November 2022 Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Grünen im Europaparlament, wo er mit Haermeyer zusammenarbeitete.

Wir erinnern uns: In die Zeit ihrer Tätigkeit fiel eine neuartige Kampagne der Euro-Grünen. Im Verbund mit anderen NGOs, Social Media und neuen digitalen Werkzeugen versuchten sie, das Konsultationsverfahrens der EU-Kommission zur Neuregelung der Gentechnik zu manipulieren. Die Grünen-Fraktion überflutete die Kommission mit randomisierten Textbausteinen, die eine überwältigende Mehrheit gegen eine Neuregelung vortäuschen sollten. Mit im Boot bei der Astroturf-Aktion waren acht deutsche Aktivistenvereine: die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, die Aurelia-Stiftung, der Gen-ethische Informationsdienst, IFOAM, Save our Seeds, GM Watch, der Verein Umweltinstitut München sowie Slowfood. Benutzt hatten die Gentechnikgegner die Proca-App einer Kampagnenfirma, die ebenfalls die gute Absicht im Namen trägt: „Fix the Status quo“. Die Aktion liest sich wie ein Blueprint für Kampagnen, die das Ziel verfolgen, mit digitalen Werkzeugen Massenbewegungen vorzutäuschen. Hinzu kommt: Die grüne Fraktion setzte Steuergelder dafür ein, um gemeinsam mit zweifelhaften NGOs die europäische Gesetzgebung zu manipulieren.

2024 taten sich Jelinek und Haermeyer mit anderen Gleichgesinnten zusammen. Ihre Firma Green State, die das Ziel hatte, dass Menschen praktisch mit jeder ihrer Handlungen „das Klima, die Umwelt, den Planeten, Dich und uns schützen“, brachten sie in ein Gemeinschaftsprojekt mit The Goodwins ein. Auch dies eine Agentur, hinter der bekennende Anhänger der grünen Transformation stehen. Man wolle, so deren Gründer, die „Welt in eine positive, nachhaltige Richtung“ bewegen, die sich als „gut für den Menschen und den Planeten“ herausstellen soll. „Das Unternehmen ist für die Förderung des Guten bekannt“, heißt es in einer Selbstbeschreibung.

„Grenzen des Sag-, Denk- und Machbaren verschieben“

Das Gemeinschaftsprojekt The Goodforces wird von den Green State-Gründern sowie einem der Goodwins-Geschäftsführer geleitet. Ihre Mitarbeiter machen kein Geheimnis draus, wofür sie stehen: Aufmerksamkeit um jeden Preis, vor allem in der digitalen Welt. „Wir müssen aufhören zu glauben, dass Fakten allein im digitalen Rauschen gewinnen“, schreibt Melanie Goemmel, Direktorin für Strategie und Kommunikation bei den Goodforces. „Wir brauchen den Mut zur Kante und eine Sprache, die dort wirkt, wo Meinungen entstehen. (…) Es ist die Antwort auf eine Welt, in der Aufmerksamkeit die härteste Währung ist. Progressive Kräfte in Deutschland sind viel zu leise. Wir müssen lernen, digitale Hebel gezielt einzusetzen – mit klarer Sprache und dem Mut, Debatten aktiv zu gestalten, statt nur auf sie zu reagieren. Das ist keine Manipulation der Wahrheit, sondern die einzige Chance, im digitalen Zeitalter echte Wirkung zu erzielen.“

„Wir müssen aufhören zu glauben, dass Fakten allein im digitalen Rauschen gewinnen. Wir brauchen den Mut zur Kante und eine Sprache, die dort wirkt, wo Meinungen entstehen. Es ist die Antwort auf eine Welt, in der Aufmerksamkeit die härteste Währung ist.“

Auf ihrer Website schreibt die Agentur, sie verstehe sich als „Instanz, die Aufmerksamkeit strategisch bündeln und zuspitzen kann. (…) Dort, wo NGOs vorsichtig sein müssen, Medien neutral bleiben und Parteien taktisch agieren, dürfen wir zuspitzen – und verschieben so Salienz und Medienmacht. (…) Indem wir die Grenzen des Sag-, Denk- und Machbaren neu verschieben, machen wir progressive Ideen wieder zum gesellschaftlichen Mainstream.“ Was die Guten Kräfte in langen, verklausulierten Sätzen beschreiben, bedeutet kurz gesagt: Wenn es der Aufmerksamkeit zuliebe polemisch, populistisch, rabiat und rotzig werden soll – wir erledigen das.

Entsprechend sehen die Kampagnen aus. Mit „Progressive Lore“ erstellten The Goodforces zusammen mit Campact und Fridays for Future eine We Act-Petition zum Verbot von X und veranstalteten im Bundestagswahlkampf 2025 Aktionen gegen Friedrich Merz und die CDU. Unter anderem begleiteten sie das Fernsehduell zwischen Scholz und Merz sowie den „Vierkampf“ zwischen Merz, Habeck, Scholz und Weidel mit einem Liveticker. Inzwischen konzentrieren sich Jelinek und Haermeyer vor allem auf ihre Kampagne neunund20.de. Hier betonen sie: „Die Bundestagswahl 2025 haben wir verloren. 2029 passiert uns das nicht noch einmal. Wir haben einen Plan“. Ihr konkretes Ziel: „eine Koalition aus SPD, Grünen und Linken“. Mit neunund20.de befeuerte die Agentur auf Instagram fast alle linken Kampagnen der vergangenen Zeit.

 Hauptgegner aller Aktionen: die CDU und Friedrich Merz, der durchweg als „Narr“, „Totalausfall“, „Kanzler für die Reichen“, Lobbyist, Rassist und „rechter“ Politiker dargestellt wird. Trotz mehrfacher anderslautender Aussagen des Bundeskanzlers wird ihm unterstellt, er wolle lieber heute als morgen die Brandmauer zur AfD einreißen. Auch den Fall Ulmen/Fernandes instrumentalisieren die Aktivisten maximal für ihre Zwecke. Einen Beitrag nach dem anderen publizieren sie zum Thema und sezieren dabei jede Äußerung der CDU. Was kein Skandalisierungspotential in der linken Bubble verspricht – körperliche Angriffe gegen Frauen, erst recht von Migranten zum Beispiel – ignorieren die Macher konsequent.

Für ihre Schmutzkampagnen greifen die Guten Kräfte zu billigsten Mitteln. So startete die Agentur zum Beispiel die Aktion „Ich stimme nicht für Friedrich Merz“ und entwickelte ein Computerspiel und eine App, bei der Merz als der „fliegende Sauerländer“ mit „Privatjet“ verspottet wurde. Mit Dreck beworfen haben die Guten Kräfte auch andere Unions-Politiker. Günter Felßner zum Beispiel, der als potenzieller Landwirtschaftsminister galt und aufgab, nachdem Aktivisten sowohl sein Haus als auch seine Familie angegriffen hatten: „Dieser Straftäter könnte Minister werden“. Oder Julia Klöckner: „Weinkönigin zur Bundestagspräsidentin… nichts zeugt von der Kompetenz für den Posten der Nummer Zwei im Staat“. Und so geht es weiter: profitgetriebene Vermieter, irre Tech-Milliardäre, „Lobbyministerin“ Katharina Reiche und ihr „Horrorheizgesetz“ und, und, und.

Antisemitische Vibes inklusive

Alles, was sich links der Mitte positioniert, hofieren die Aktivisten dagegen bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Heidi Reichinnek, Ricarda Lang sowie die Klimaaktivisten Carla Reemtsma, Theresia Crone und Volker Quaschning geben sich auf dem Instagram-Account neunund20.de die Klinke in die Hand. Auch Luisa Neubauer darf nicht fehlen, um für die Rückkehr des 9-Euro-Tickets zu werben. Für SPD-Minister wie Carsten Schneider und -Politiker wie Kira Braun, Kevin Kühnert oder Katarina Barley finden die Aktivisten ausschließlich lobende Worte. Über die Linke, die derzeit einen antisemitischen Beschluss nach dem anderen fasst, offene Sympathien für Terrororganisationen wie Hamas, Hisbollah und die Islamischen Revolutionsgarden hegt und die Ukraine fallen lassen will, findet die Agentur dagegen kein einziges kritisches Wort. Dazu passt, dass Jelinek und Haermeyer den antisemitischen New Yorker Bürgermeister Mamdani ebenso abfeiern wie den spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez von der Sozialistischen Arbeiterpartei Spaniens (PSOE), der öffentlich bedauert hatte, dass er den „Krieg Israels gegen Gaza“ nicht stoppen können, weil Spanien „weder über Atombomben noch über Flugzeugträger“ verfüge. Beide zählen sie zu den Politikern, „die eine Medaille verdient hätten“.

Wer gibt das Geld für die Goodforces?

Welche Politiker, Parteien, Unternehmen oder NGOs das schmutzige Treiben der Goodforces finanzieren, ist weitgehend unbekannt. Zu den Kunden der Agentur gehören nach eigenen Angaben „zivilgesellschaftliche Organisationen, Politiker im EU-Parlament und Firmen im Sektor Erneuerbare Energien“. Sucht man im Netz, findet man The Goodforces beispielsweise als Urheber des Policy Papers „Aus der Krise in die Zukunft“ für die IG Metall, an der auch eine Mitarbeiterin des grünen Europa-Abgeordneten Michael Bloss beteiligt war. Das Rezept: Ausbau der erneuerbaren Energien, grüner Wasserstoff, Batteriespeicher. Niemand wundert sich, dass auch der Abmahnverein Deutsche Umwelthilfe zu den Kunden zählt. Für die DUH erstellte die Agentur das Policy Paper „Der europäische Pfad zu verantwortungsvollen Lieferketten für erneuerbare Energietechnologien“. Die Empfehlungen sind nahezu identisch. An der Erstellung der DUH-Broschüre wirkte neben den NGOs Greenpertise und Agora Energiewende übrigens auch beratend George Mörsdorf mit. Er ist Mitarbeiter der Europäischen Kommission. Ein weiterer Beleg für die angeblich nicht existierende enge Zusammenarbeit von Teilen der EU-Kommission mit NGOs. Auch an der grünen Wahlkampfkampagne in Rheinland-Pfalz waren The Goodforces nach eigenen Angaben zusammen mit ihren Freunden von The Goodwins beteiligt. Auf der Transparenzseite der Grünen fehlt die Agentur jedoch.

Die Kampagnenmaschine neunund20.de dient dagegen wohl primär der Eigenwerbung in linken Kreisen. Den Badischen Neuesten Nachrichten gab Haermeyer zu Protokoll: „Die Aktivitäten unserer Marke neunund20.de sind Eigeninitiativen von The Goodforces. Diese werden weder von Parteien finanziert noch beauftragt, sondern ausschließlich durch eigene Mittel ermöglicht.“ Man habe weder von der grünen Bundespartei noch von anderen Gliederungen Aufträge oder Gelder für diese Aktivitäten erhalten.

Ganz gleich, ob aus grünen Kreisen Geld fließt oder nicht – an den Formaten der Agentur beteiligen sich Politiker aus dem links-grünen Spektrum gern. Auch fast alles, was sonst noch Rang und Namen unter den grünen Vorfeldorganisationen hat – HateAid, Campact, Fridays for Future, Omas gegen Rechts, Greenpeace – ist regelmäßig in die Aktivitäten der Agentur eingebunden.

Edelweiss-Plattform: Für den Kampf gegen Krawallmedien schrecken die Macher auch vor Drohungen gegen die jeweiligen Redakteure nicht zurück.

Die Dümmste aller Ideen: Mit Krawall gegen Krawall

Vor wenigen Wochen haben Jelinek und Haermeyer ihre neueste virtuelle Dreckschleuder angeworfen. Sie nennt sich Edelweiss-Netzwerk. Edelweiss – der Name soll wohl eine Reminiszenz an den Jugendwiderstand während des Nationalsozialismus sein – ist eine Initiative des Vereins TGF Media, den die beiden derzeit mit Gleichgesinnten gründen. Dass sich auch Jelineks Agentur gut mit TGF abkürzen lässt – bestimmt reiner Zufall. Sitz des Edelweiß-Vereins ist die Friedrichstraße 155 in Berlin, vielen bekannt auch als Hauptstadtrepräsentanz der Kampagnenorganisation Campact. Zusammen mit Dutzenden anderer Organisationen nutzen beide dort den Büroservice Clevver als Gemeinschaftsadresse und Briefkasten.

Aber warum gründet eine Agentur einen Vereinsableger? Um öffentliche Mittel einwerben zu können, etwa aus dem Programm Demokratie leben? Oder um die Kampagnen für eine R2G-Regierung auf breitere Basis zu stellen? Stiftungen wie Schöpflin oder Mercator dürften kaum an eine Agentur-GmbH spenden, für einen gemeinnützigen Verein, der sich als „zivilgesellschaftliche“ Graswurzel-Initiative ausgibt und eine steuerliche Absetzbarkeit von Spenden garantieren kann, stünden die Chancen aber gar nicht so schlecht.

Das Edelweiß-Netzwerk versteht sich „als Gegenmodell zur Medienmacht der Neuen Rechten“. Oder wie es die frühere Grünenvorsitzende Ricarda Lang formuliert: „Es ist Zeit, dass wir uns gegen diese Hassschleudern wehren!“ Mitte März 2026 sorgte die Plattform mit einer Kampagne gegen das Portal Nius und dessen Chefredakteur Julian Reichelt für Aufmerksamkeit. Dabei haben Jelinek und Haermeyer Kommentare auf den Nius-Kanälen auf Reichelt umgemünzt, um auf Doppelmoral und Frauenhass aufmerksam zu machen. Der Vorwurf: Dadurch, dass Nius diese Kommentare stehen lasse, baue es „eine Rampe für den Frauenhass, der sich dann ungehemmt entlädt.“

Natürlich ist es richtig, Medien dafür zu kritisieren, dass sie frauenfeindliche, rassistische oder Gewalt androhende Kommentare nicht entfernen. Ein Blick in die Kommentarspalten von Tagesschau oder heute zeigt jedoch schnell, dass sich der exakt gleiche Vorwurf auch gegen andere Medien, zum Beispiel gegen die öffentlich-rechtlichen richten ließe. Auch diese Redaktionen bauen – im Jargon der Aktivisten – eine Rampe für antisemitischen Hass, der sich ungehemmt gegen Frauen wie Karoline Preisler, die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer oder andere entlädt.

Tweet des Grünen-Europaabgeordneten Erik Marquardt:
„Das hier fährt übrigens heute um den Bundestag.“

Es war – rein zufällig natürlich – der Europa-Grüne Erik Marquardt, der die Aktion gegen Reichelt als erster öffentlich machte. Parallel dazu erschienen Gastkommentare auf der Seite des Netzwerks. Unter anderem von

  • Grünen-Politikerin Renate Künast, die den Autor dieses Beitrags auf X als „rechtsextremistisch“ beleidigte, weil er ihre Beteiligung am “Monsanto-Tribunal“ kritisiert hatte,
  • der österreichischen Aktivistin Natascha Strobl, die der Initiative Transparente Demokratie 2025 in einem Blogbeitrag „Astroturfing“ unterstellte und in diesem Zusammenhang eine Vielzahl von Falschbehauptungen über uns verbreitete,
  • der Autorin Veronika Bohrn Mena, die ironischerweise Opfer einer Hasskampagne war, die von einer grünen Europa-Abgeordneten angezettelt worden war (worüber sie in ihrem Beitrag nicht berichtet),
  • sowie dem Soziologen Andreas Kemper, der Nius vorwirft, dort herrsche ein „rechtskatholisch-antifeministischer Hang zum Adel“. Kemper ist, wen wundert es, Autor bei Campact und der Rosa-Luxemburg-Stiftung der Linkspartei.

Es entbehrt also nicht einer gewissen Ironie, dass die selbsternannten Guten Kräfte und ihr Dunstkreis ständig für Anstand und Respekt eintreten, zeitgleich aber alles tun, um missliebige Politiker und Journalisten mit populistischen Kampagnen und polemischen Parolen zu diskreditieren. Oder anders gesagt: Die Kritiker von Krawallmedien stehen ihnen in Sachen Krawall in nichts nach.

Weitere Artikel

Februar 23, 2026

551 Fragen – holen wir uns die Antworten!

Die Bundestagswahl 2025 war noch keine 24 Stunden her, da ... Weiterlesen ...

Die Bundestagswahl 2025 war noch keine 24 Stunden her, da ... Weiterlesen ...

Oktober 30, 2025

Mit dem Zweiten zahlt man doppelt

In einer internen E-Mail des ZDF, die der Initiative Transparente Demokratie vorliegt, ... Weiterlesen ...

In einer internen E-Mail des ZDF, die der Initiative Transparente Demokratie vorliegt, ... Weiterlesen ...

November 9, 2025

Kompletter Blindflug

Bei der Recherche zu diesem Text ging uns in den ... Weiterlesen ...

Bei der Recherche zu diesem Text ging uns in den ... Weiterlesen ...

Ludger Weß