Transparenz fordern – Transparenz verweigern

Veröffentlicht: März 14, 2026

Angstkampagnen gegen Gentechnik – viel Esoterik, keine Wissenschaft und dunkle Finanzströme; Bild: David Dees

In Deutschland gibt es seit Jahren kleine Vereine, die sich den Kampf gegen Gentechnik auf die Fahne geschrieben haben. Eine ihrer Hauptforderungen: Transparenz für Verbraucherinnen und Verbraucher – die hätten ein Recht darauf, zu erfahren, wie ihre Lebensmittel produziert werden und ob Gentechnik dabei im Spiel war. Doch selbst sind die Vereine maximal intransparent, denn ihre Geldflüsse lege sie nicht offen.

In Fachkreisen ist der Streit um die Gentechnik längst beendet. Weltweit werden seit 30 Jahren Pflanzen angebaut, bei deren Zucht Gentechnik im Spiel war. Keine der befürchteten Katastrophen ist eingetreten. Weltweit haben Millionen Menschen und Milliarden Nutztiere solche Pflanzen konsumiert. Nicht ein Fall von Gesundheitsschädigung ist bekannt und nirgendwo kam es zum Zusammenbruch von Ökosystem. Und so sind sich alle großen Wissenschaftsorganisationen und Zulassungsbehörden auf der Welt einig: Von Pflanzen, bei deren Zucht Gentechnik eingesetzt wurde, geht kein höheres Risiko aus als von solchen, die auf konventionelle Art gezüchtet wurden. Dennoch gibt es in Deutschland noch immer Anti-Gentechnik-Initiativen, so, wie es auch Anti-Impf-Vereine gibt oder solche, die vor den angeblichen Gefahren von WLAN-Strahlung oder imaginierten Chemtrails warnen. Das Problem: Die anti-GMO-Initiativen sind finanzstark und politisch einflussreich, dank fortlaufender Unterstützung durch fast das gesamte Parteispektrum, von Linken, Grünen und SPD über Teile von CDU und CSU bis hin zu BSW und AfD. Aber wer finanziert diese Organisationen?

Testbiotech e.V.
Der Kleinverein in München (18 Mitglieder) wird seit seiner Gründung im Jahr 2008 von Christoph Then geleitet, einem Tierarzt, der über die Effekte von Homöopathie auf tierische Zellkulturen promovierte und dann zunächst bei den Grünen und anschließend bei Greenpeace als Campaigner gegen Gentechnik arbeitete. Obwohl der Verein nach eigenen Angaben als „unabhängiges Institut“ arbeitet (der Begriff Institut ist ebensowenig geschützt wie der Begriff Studie) und seine Arbeit „strikt auf wissenschaftlichen Grundlagen“ basiert, kommt er doch in all seinen Stellungnahmen und Gutachten immer wieder zu dem gleichen Ergebnis: Gentechnik ist (außer in der Medizin) unkalkulierbar riskant für Mensch, Natur, Umwelt, Klima und den Planeten und sollte, falls nicht gleich verboten, so streng reguliert werden, dass ihre Nutzung wirtschaftlich unmöglich ist.

Als Förderer nennt Testbiotech auf seiner Seite diverse Stiftungen, die gemeinnützige GmbH Olin, die Handelskette tegut sowie öffentliche Mittel. Die stammen aus dem Bundesamt für Naturschutz und dem Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, nukleare Sicherheit und Verbraucherschutz. Mindestens drei der Spender sind dem weltanschaulichen Spektrum der Anthroposophie des Esoterikers Rudolf Steiner zuzuordnen, alle lehnen die grüne Gentechnik in ihren programmatischen Aussagen ab und unterstützen den Wirtschaftssektor Biolandwirtschaft und – handel.

Wie viel die einzelnen Geldgeber dem Verein zur Verfügung stellten, erfährt man seit Jahren nicht – jedenfalls nicht von der Webseite. Im aktuellen Jahresbericht (2025 über das Jahr 2024) steht lediglich: „Es wurden (inklusive Übertrag aus 2023) rund 715.000 € eingenommen, rund 630.000 € ausgegeben (untere Grafik).“ Dazu gibt es ein Tortendiagramm ohne Zahlen- oder Prozentangaben, in denen die Spender in drei Gruppen zusammengefasst werden: Stiftungen und ähnliche Einrichtungen, staatliche Förderung, Privatpersonen. Der Grafik ist lediglich zu entnehmen, dass Stiftungen mehr als die Hälfte und der Staat etwas mehr als ein Drittel des Haushalts beisteuern. Privatpersonen dürften etwa 10 Prozent ausmachen. 

Aus dem Transparenzregister der EU (der Verein finanziert eine Lobbyistin in Brüssel) erfährt man immerhin, dass das Bundesamt für Naturschutz 2024 215.000 Euro an den Verein zahlte. Die Software AG Stiftung gab 96.000 Euro und die Umweltstiftung Greenpeace 85.000 Euro. Im Lobbyregister des Deutschen Bundestags sind die Mittel der Software AG Stiftung seltsamerweise nicht aufgeführt. Dafür finden sich neben der Umweltstiftung Greenpeace GEKKO mit 60.001 bis 70.000 Euro und die Gen-ethische Stiftung mit 50.001 bis 60.000 Euro. Die Mittel des BfN waren für die „Durchführung des Projektes ‚Fachstelle Gentechnik und Umwelt‘, FGU“, die die Öffentlichkeit – wiederum „strikt auf wissenschaftlichen Grundlagen“ – über die Gefahren der Gentechnik frei von Lobbyismus informieren soll. Mit dieser Einrichtung, die Lobbyismus für Kernforderungen der Biolandwirtschaft betreibt, hat sich bereits 2018 der Spiegel beschäftigt.

No Patents on Seeds e. V.

Der Verein NO PATENTS ON SEEDS! (Keine Patente auf Saatgut! e.V.) ist eine weitere Gründung von Christoph Then. 2018 gegründet, kämpft er gegen Gentechnik, indem er gegen Patente auf Pflanzen, Saatgut und Nutztiere vorgeht. Die finanzielle Transparenz des Vereins beschränkt sich im Jahresbericht auf die Aussage: „Die Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben verlief in etwa wie geplant.“ Aus dem Transparenzregister der EU geht hervor, dass der Verein 2025 über ein Gesamtbudget von 120.000 Euro verfügte, wobei 50.000 Euro von der Salvia Foundation und 54.600 Euro von der Gen-ethischen Stiftung stammten. Die Mitgliedsbeiträge des Vereins beliefen sich laut Lobbyregister des Bundestags 2025 auf 10.001 bis 20.000 Euro. Wofür das Geld verwendet wurde, teilt der Verein nicht mit.

Gen-ethisches Netzwerk e.V. (GeN)

Das 1986 gegründete Netzwerk versteht sich als Aufklärungsnetzwerk zu „Bio-, Gen- und Fortpflanzungstechnologien“ und engagiert sich „gegen Rassismus, Behindertenfeindlichkeit und globale Ungleichheit“. „Unsere Perspektive ist stets eine intersektional-feministische. Wir hinterfragen Gesundheitsideale, polizeistaatliche Sicherheitsversprechen und die Lösungsversprechen der Agrarindustrie.“

Als Spender nennt es sieben Stiftungen und Netzwerke, darunter die Rosa-Luxemburg-Stiftung der Linkspartei, wobei aber nicht klar wird, ob diese Unterstützer den Verein regelmäßig fördern. Über die Höhe des Haushalts gibt es keinerlei Angaben; Jahres- und Finanzberichte finden sich auf der Webseite nicht.

Dem Lobbyregister des Bundestags ist zu entnehmen, dass die Gen-ethische Stiftung 2024 als Hauptsponsor 70.001 bis 80.000 Euro für Grund- und Stellenförderung zur Verfügung stellte. Dem eingereichten vorläufigen Jahresabschluss 2024 ist zu entnehmen, dass es konkret 78.088,00 Euro waren. Die jährlichen Einnahmen beliefen sich indessen auf 243.796,23 Euro, wovon die Mitglieder 25.170,65 Euro beisteuerten. Woher die sonstigen Einnahmen in Höhe von ca. 140.000 Euro stammen, erfährt man von den Kämpfern für Transparenz nicht.

Gen-ethische Stiftung

Woher die Stiftung, die ebenfalls das Recht der Verbraucher auf Aufklärung über die Herstellung ihrer Lebensmittel betont, ihre Mittel bezieht, ist ebenfalls unklar. Sie wurde 2001 von Ruth Tippe gegründet, einer Biologie, die am Max-Planck-Institut für Molekulare Genetik promovierte. Die Stiftung finanziert seit Jahren Anti-Gentechnik-Initiativen wie Testbiotech, GeN, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, oder Keine Patente auf Saatgut. Im Jahresbericht findet sich zu den Einnahmen lediglich die Aussage: „In den letzten Jahren hat die Stiftung einige sehr großzügige private Zuwendungen erhalten. Den Spendern sei an dieser Stelle aus tiefstem Herzen gedankt! Durch diese Finanzmittel konnten mehr besonders wichtige Projekte in größerem Umfang unterstützt werden als ursprünglich vorgesehen. Gesamteinkünfte 2024: 320.647 €.“

Stiftung GEKKO und andere

Die Stiftung GEKKO, 2008 gegründet, um „zivilgesellschaftliche Gruppen“ zu unterstützten, „die sich für den Erhalt einer gentechnikfreien Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion engagieren“, finanziert ebenfalls seit Jahren gentechnikkritische Projekte und Initiativen. Das Akronym GEKKO steht für „Gentechnik kontrollieren“. Über die Finanzen heißt es lediglich: „Die Stiftung GEKKO hat ein geringes Startkapital von 30.000 Euro, die jährlichen Fördermittel gibt die Stifterin als Spenden aus ihrem Vermögen an die Stiftung.“ Die Ende 2024 verstorbene Stifterin Susann Haltermann war die Erbin des Vermögens ihres Vaters, der mit Erdölverarbeitung zum Millionär geworden war. Die GEKKO-Stiftung wird jetzt durch die Stiftung Stifter für Stifter in München betreut.

Andere gentechnikkritische Initiativen wie Kein Patent auf Leben!, Save our Seeds, der Informationsdienst Gentechnik, dessen Internetadresse https://www.keine-gentechnik.de bereits deutlich macht, in welche Richtung er informiert und der unter der Adresse Schule und Gentechnik vorgeblich neutrale Arbeitsblätter, Präsentationen und andere Unterrichtsmaterialien für Lehrer und Schüler herausgibt, sind gar nicht erst als eingetragene Vereine organisiert, so dass sie keinerlei Transparenzpflichten unterliegen. Finanziert werden sie zumeist von der Stiftung GEKKO oder der Gen-ethischen Stiftung. Schaut man in das Impressum der jeweiligen Seiten, so findet sich dort in vielen Fällen die Zukunftsstiftung Landwirtschaft als Verantwortliche, eine ebenfalls vollkommen intransparent arbeitende Stiftung, die ihrerseits vom Verein GLS Treuhand e.V. getragen wird. Die veröffentlich zwar einen Jahresbericht, aus dem für 2024 Spenden in Höhe von 25 Mio. Euro und ein Vermögen von 146,2 Mio. Euro hervorgehen, aber wie viele dieser Mittel in einzelne Projekte fließen, wird nicht bekannt gegeben. Ermitteln lässt sich jedoch, dass sie der Zukunftsstiftung Landwirtschaft 2024 3,9 Mio. Euro zugewiesen hat. Die GLS Treuhand e.V. ist dem anthroposophischen Spektrum zuzuordnen.

Intransparentes Astroturfing

Besonders auffällig ist die Vielfalt der Organisationen, hinter denen jedoch immer die gleichen Personen und Finanzquellen stecken. Diese Diversifizierung bringt Vorteile: Jede Organisation kann einen spezifischen Tonfall, eine andere Zielgruppe und eine eigene Methodik pflegen. Eine vermeintlich wissenschaftlich argumentierende Organisation wie Testbiotech wäre weniger glaubwürdig, wenn sie gleichzeitig emotionale Kampagnen führen würde — und umgekehrt. Zudem dient es der Täuschung von Öffentlichkeit, Politik und Medien. In Pressemitteilungen können lange Listen von „unterstützenden Organisationen“ aufgeführt werden und wenn bei einer öffentlichen Konsultation, einer Bundestagsanhörung oder einem EPA-Einspruch zehn verschiedene Organisationen Stellung nehmen, entsteht der Eindruck einer breiten gesellschaftlichen Ablehnung. Die Durchschlagskraft ist damit stärker, als wenn eine einzelne Organisation spricht, denn dieses Vorgehen gaukelt eine „Bewegung“ vor, die in Wahrheit gar nicht existiert. Dies ist eine bewusste und in der NGO-Welt weit verbreitete Astroturfing-Strategie, denn in Wahrheit stehen hinter der vorgeblichen Bewegung nur einige wenige Personen und die immer gleichen Finanzquellen.

Pecunia non olet – Geld stinkt nicht?

Die starke Finanzierung der anti-Gentechnik-Szene durch anthroposophische Stiftungen und Unternehmen (Software AG Stiftung, Zukunftsstiftung Landwirtschaft, GLS Treuhand, tegut usw.) ist besonders hervorzuheben, weil in diesen Kreisen eine zweifelhafte Esoterik gepflegt wird. In der Anthroposophie lehnt man die moderne Wissenschaft als reduktionistisch ab, hängt physikalischen Irrlehren wie der Goetheanischen Farbenlehre an und glaubt an Planetenkräfte und feinstoffliche Schwingungen, die Mensch, Tier und Pflanzen beeinflussen. Impfen wird in diesen Kreisen traditionell abgelehnt, man hängt der Wurzelrassentheorie von Rudolf Steiner an und behandelt den Ackerboden ebenso wie kranke Menschen und Tiere mit hochverdünnten Präparaten, die durch rhythmische Prozesse, das Verstopfen in vergrabene Kuhhörner und Metallspiegel „energetisiert“ werden. Auch in Gender-Fragen ist das Weltbild der Anthroposophie eher obskur: Während die Geheimlehre dem Mann eher das Denken und das der äußeren Welt zugewandte Handeln zuordnet, wird die Frau eher mit dem Bereich der Reproduktion, des inneren Lebens und der Entwicklung verbunden. Inwiefern das mit dem „streng wissenschaftlichen“ Anspruch der Anti-Gentechnik-Kämpfer und ihrer „intersektional-feministischen Perspektive“ zusammenpasst, liegt genauso im Dunkeln wie die Finanzströme dieses Geflechts.

Maximale Intransparenz

Es entbehrt ebenfalls nicht einer gewissen Ironie, dass sämtlich Vereine, die in Sachen Gentechnik auf maximale Transparenz pochen und als wesentliches Argument gegen die Novellierung des Gentechnikrechts durch die EU vorbringen, dass Transparenz für Erzeuger und Verbraucher verloren gehe, selbst vollkommen intransparent agieren, was ihre Geldflüsse betrifft. Es lässt sich jedoch zweifelsfrei ermitteln, dass die anti-Gentechnik-Szene in Deutschland im Wesentlichen von Sektenanhängern, politisch destruktiven Millionärinnen, esoterischem grünem Bürgertum und Firmen in Gang gehalten wird, die an der biologischen oder biologisch-dynamischen Landwirtschaft nach Steiner profitieren und die um ihr Geschäftsmodell fürchten, wenn in der Landwirtschaft moderne Methoden zum Einsatz kämen. Und es ist ein Trauerspiel, dass dieser rückwärtsgewandte Zirkus auch unter einer CDU/CSU-geführten Bundesregierung noch immer vom Bundesumweltministerium und dem Bundesamt für Naturschutz gefördert wird.


Ludger Weß