Die Zusammenhänge hinter der Wir-haben-es-satt-Demo aufzudröseln, gleicht dem Öffnen einer Matrjoschka-Figur: Unter jeder Hülle steckte eine weitere Schicht, bis man zur eigentlichen Puppe im Zentrum der Figur vordringt. Fangen wir an: Auf der Website der Demo findet sich der Hinweis, dass das Demo-Büro bei der Kampagne „Meine Landwirtschaft“ angesiedelt ist. Was – und vor allem: wer – verbirgt sich hinter diesem Projekt? Auch hier gibt die Website Auskunft: „Die Kampagne Meine Landwirtschaft ist ein Projekt des Forum Umwelt & Entwicklung unter der Rechtsträgerschaft des Deutschen Naturschutzrings. Die beiden Organisationen sind Teil des breiten Netzwerks an Unterstützer*innen und Förder*innen.“
Letztlich steht also der Deutsche Naturschutzring (DNR) hinter der Demo. Der DNR ist ein Zusammenschluss von rund 100 Vereinen und Verbänden aus dem Bereich Umwelt- und Naturschutz, Ernährung und Landwirtschaft und wurde 1950 gegründet, um gemeinsame Interessen der Mitglieder zu bündeln. Das Forum Umwelt und Entwicklung wurde 1998 im Anschluss an die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro eingerichtet, ebenfalls mit dem Zweck, Synergieeffekte von Umwelt- und Entwicklungshilfe-NGOs zu nutzen. Das Netzwerk selbst ist kein Verein, sondern wird unter der Rechtsträgerschaft des DNR geführt.
Der DNR ist aktuell einer von fünf Empfängern, der jährlich vom Bundesumweltministerium (BMUKN) eine institutionelle Förderung erhält, das heißt eine pauschale Förderung, die projektunabhängig ist. Ein Blick in den Haushalt 2026 des BMUKN weist eine Fördersumme von 1,687 Millionen Euro aus, was einer Stellenzahl von 18,75 entspricht. Der aktuellste verfügbare Finanzbericht des DNR ist von 2024 und weist Personalkosten in Höhe von rund 1,4 Millionen Euro aus. In diesem Bericht wird für das Forum Umwelt und Entwicklung eine weitere institutionelle Förderung durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN), das zum BMUKN gehört, aufgeführt in Höhe von mehr als 400.000 Euro. Demgegenüber stehen Personalkosten in Höhe von rund 364.000 Euro. Kurz: Das BMUKN bezahlt dem DNR das Personal. Letztlich lässt sich sagen, dass die „Wir haben es satt“-Demo vom BMUKN ausgerichtet wird, was durchaus pikant ist, weil die Kampagnen zum Teil auf sehr aggressive Weise die amtierenden CDU-Agrarminister bzw. die -Ministerin angegangen sind. Während der Amtszeit von Cem Özdemir als Bundeslandwirtschaftsminister wurde ein anderer Ton bemüht und der Minister nicht persönlich angegriffen.
Wirklich Anstoß nimmt niemand an dieser offensichtlichen Umfunktionierung der sogenannten Zivilgesellschaft für eigene politische Ziele. In seinem „Bericht an den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages“ schlussfolgert der Bundesrechnungshof in Bezug auf den Bundeshaushalt 2021 zur Begründung der institutionellen Förderung des DNR: „Den Bundesrechnungshof hat dies nicht überzeugt. Nur mit einer umfassenden Erfolgskontrolle anhand von festzulegenden konkreten Zielen lässt sich bestimmen, ob die institutionelle Förderung notwendig, wirksam und wirtschaftlich sowie weitere Projektförderungen erforderlich sind.“ Doch auch diese Kritik ist wohl im Sande verlaufen wie kürzlich jene 551 Fragen an die Bundesregierung.